Von einem sagenhaften Nordlicht berichteten die
Sternfreunde, das sie in der Nacht zum Freitag auf dem Vogelsberg
erlebt hatten. Ähnlich dem Schein von starken
Disko-Beamern zauberte das Polarlicht eine breite Wand aus unwirklichem
Grün bis Orange-Rot an den nördlichen
Horizont. In dieser Nacht kamen alle Dobsonauten bis hin zu über einem
Meter
Spiegeldurchmesser und alle übrigen Teleskop-Besitzer
mit einem klaren Himmel endlich auf ihre Kosten. Der Vogels-
berg scheint eher eine Wetterküche zu sein,
weshalb bereits in der Nacht zum Samstag auch der Verfasser vor einer
herannahenden Wetterfront flüchtete. Der
Blick auf die Sonnenfinsternis am Samstag war durch dichte Wolken ähnlich
getrübt, weshalb die Dämmerung an diesem
Tag ungewöhnlich dunkel verlief.
Besonderen Dank muß man den Organisatoren
unter der Leitung von Walter Kutschera, Stumpertenrot, aussprechen.
Der Mann im Hintergrund, der unter den gegebenen
Bedingungen das Optimum herausholte und auch nach dem
ITV 03 noch eine Menge Arbeit hat, bis der geschundene
Platz wieder sauber und aufgeräumt ist. Er leistet damit
der Amateur-Astronomie einen großen Dienst
und der Zuspruch, den er erhält, gibt ihm recht - das ITV wird prima
angenommen, wirklich in überschäumender
Weise!
01 Der dreibeinige Stathis
01) Wo geht's denn zum ITV? könnte die Frage
lauten. Wo zur Spiegelschleif-Orgie, die auch mich
kurzzeitig zum Wasserholen verurteilten. Wo steht
der größte Dobson? Jedenfalls kurierte Stathis auf dem ITV-03
seinen Arbeits-Unfall mit einem großen
Spiegel aus, dem er bereitwillig eine gebrochene Zehe opferte, nur um den
wert-
vollen Spiegel zu retten, der in einem unbedachten
Moment den Weg nach unten suchte. .Übrigens trägt Stathis jetzt
Sicherheits-Schuhe mit Stahlkappen, wenn er Spiegel
schleift.
02 Die Tester sind überall
02) In Scharen strömte fachkundiges Personal
von einem Händlerstand zum anderen unter Verwendung von sach-
kundigen Beiträgen zu einzelnen Teleskopen,
ihrer Qualität und Möglichkeiten. Die Händler sahen es gerne,
ihr Schaden
dürfte es nicht gewesen sein, hier war es
der Stand von Martin Birkmeier, Augsburg.
03 Da isser !
03) Wer ihn noch nicht kennt, links auf dem Bild,
das ist der Martin. Nicht zu verwechseln mit Marty Trittelvitz
aus Berlin, der ebenfalls zur Spiegelschleiferszene
gehört und den der Verfasser aus vielen emails und Postings
her kennt und auf dem ITV erneut das Händchen
schütteln konnte.
04 Das Berber-Zelt
04) Am Freitag war dieses luft-durchströmte
Berberzelt eine willkommene Oase unter der sengenden Sonne
auf dem Vogelsberg. Ein junger dynamischer Sternfreund
hatte es bei einem Schausteller für ein paar Tage
ausgeliehen, lediglich das Engagement der avisierten
Bauchtanz-Gruppe scheiterte an den Kosten. Foren-Wächter
Matthias - zu Zeiten ein wenig überfordert
- "strickt" derweil an seinem Profil. Standesgemäß
war die Mannschaft
in Blau eingekleidet. Vielleicht findet er beim
nächsten Mal die passende Kopfbedeckung dazu, damit die Freunde
nicht vom Kopf her austrocknen.
05 Hessischer Rundfunk
05) Auch die Medien in Gestalt des Hessischen
Rundfunks meldeten großes Interesse an dieser Veranstaltung an.
Unversehens geriet der Verfasser in die Rolle
eines Interviewten und mußte Auskunft geben über das Polarlicht,
das er justament nicht gesehen hatte, aber aus
eigenem Erleben von früher her sehr gut kennt. Manch reizvolle
AstroSchnecke lockerte die Szene wohltuend auf,
wie man sieht.
06 Den Schwerpunkt möglichst tief legen
06) Wenn der Spiegel-Durchmesser immer größer
wird, und damit auch die Brennweite, dann versucht man den
Schwerpunkt möglichst tief zu legen, oder
gräbt sich ein, oder benutzt hohe Leitern, solange man noch jung genug
ist. Nachdem der Verfasser als seine letzte Tat
nur noch einen 20-Zöller bauen will, schaute er sich sehr inter-
essiert alle entsprechenden Lösungen an.
Entscheident in dieser Hinsicht ist die ruckfreie leichte Beweglichkeit
des Dobsons in beiden Achsen. Nicht alle Lösungen
waren gleich überzeugend.
07 Der "Hut"
07) Die Diskussion hatten wir selbst, ob man beim
"Hut" mit einem oder zwei Ringen auskommt. Zwei Ringe
haben zwar mehr Gewicht, sind aber im Handling
unkomplizierter, und schauen für meine Begriffe schöner aus,
man ist ja auch ein Ästhet.
08 Ein Bino-Fan der reinen Lehre
08) Leider hatte ich keine Gelegenheit, diesen
"kleinen Feldstecher" einmal benutzen zu dürfen. Handwerklich jedenfalls
ist er ein Prachtstück. So hoffe ich, daß
er auch optisch das hält, was er mechanisch verspricht.
09 Der Saurier unter den Dobsons
09) Hier ist eine Leiter vonnöten, um das
Bild der über 1 Meter großen Newton-Optik genießen zu
können. Dem glücklichen
Besitzer wünsche ich, daß ein Blick
durch dieses Teleskop ähnlich gigantisch ist.
10 Spiegel prüfen - Thomas Heising hilft
10) Mein eigenes Equippement hatte ich diesmal
auch dabei - es blieb aber eingepackt. Leider hat der multi-funktionale
Raum im Vereinsheim wenig Möglichkeiten,
sich ungestört mit einer Gruppe in ein Eck zurückzuziehen, wie
das auf der
Emberger-Alm möglich ist. Dann nämlich
ließen sich auch auf dem Vogels-Berg so manche Optik unentgeltlich
prüfen.
Wenn man dies aber in ein Lokal in Stumpertenrot
auslagern wollte, also einen Teil der Workshops in abgeschiedene
Räumlichkeit verlegt, dann nehme ich mein
"kleines Besteck" beim nächsten Mal wieder mit. Vielleicht fällt
dem
Walter Kutschera dazu etwas ein. Jedenfalls prüfte
auch in diesem Jahr Thomas Heising, Oschersleben-Magdeburg,
die Spiegel im Vereinsheim - mit einem Interferometer
hätte ich hier größere Probleme.
11 Die Truppe trifft sich
11) Gerade wenn der Wettergott zürnt, bietet
sich umso mehr Gelegenheit, stundenlange Fachsimpelei zu pflegen,
bzw. sich endlich auf dem Vogelsberg wieder einmal
zu treffen. Die Kontakt-Pflege dort dürfte das Erfolgsgeheimnis
dieses Treffens sein - von der Witterung ist
diese Gegend eher unzuverlässig, was ja auch die Windpark-Spargel
beweisen, ein in Bayern eher seltenes Phänomen.
Was das an Strom kostet, die in Betrieb zu halten?
12 Der gute Markus
12) Es gab noch andere Händler auch, z.B.
den Christian Meier, die erwähnt werden müssen. Den Markus Ludes
kennt eigentlich jeder, auch aus den Foren -
Werbung ist eben alles. Besonders erwähnt werden muß das SolarScope,
das Markus der herannahenden Sonnenfinsternis
wegen geschickteweise mitgenommen hatte: eine einfache Sonnen-
Projektions-Einrichtung, die mir ungemein ins
Auge stach. (Links unten im Bild)
13 Innenansicht
13) In Augenhöhe aufgestellt hat man so mit
einfachen Mitteln das Bild der Sonnenscheibe mit Flecken und kann
so jungen Sternfreunden unser Hobby nahebringen.
Also gleich ein Exemplar ohne Federlesens gekauft, in 14-Tagen
ist ohnehin eine Projektwoche mit ähnlichem
Thema.
14 Hinweis aufs ITT http://www.embergeralm.info/stella/
14) Den Initiator des ITT in Kärnten, Wolfgang
Ransburg vom Teleskop-Service, München, muß auch nicht mehr
vorgestellt werden. Für den "normalen" Sternfreund
ist die Astronomie ein abwechlungsreiches und spannendes
Hobby - für die Astro-Händler hingegen
blutiger Ernst, weil sie davon leben müssen, und da gilt der weise
Satz:
Leben und leben lassen !
15 rund um die Uhr ...
15) ... im Einsatz. Ein halben Tag in der Sonne
würde mich umbringen. Martin, Wolfi und Markus hingegen hielten
wacker durch. Auch das ist eine Leistung.
16 Astro-Recycling ...
16) ... der gehobenen Art: Eine C14-Gabel wirft
man nicht weg! Man organisiert sich zwei baugleiche Syntas, Martin
hör weg, und hat ein wundesbares "Miauchi"
150/1200 oder "Fujinon". Und wenn man die Vergrößerung wie beim
Vorbild auf 25-fach beläßt, dann bekommt
man eine hervorragende Abbildung dieses "Feldstechers", der im Bereich
bis 100-fach fast immer sehr gut abschneidet.
Nachtrag: Aus Unkenntnis habe ich sicherlich nicht
alle Highlights erfaßt. Ich rechne aber fest damit, daß mein
Bericht
nicht der einzige ist, und so weitere Berichte
das Bild des diesjährigen ITV-03 entsprechend abrunden.
Herzliche Grüße
Wolfgang Rohr |