Zum Zahnarzt auf die Alm    (W.Rohr in SuW 1/99, 84f)

    Vom norddeutschen Oldenburg aus trat ein Zahnarztstul eine 1200 km lange Reise an,
    zum 14. Internationalen Teleskoptreffen 98, das vom 25. - 27. September auf der Em-
    berger Alm in Kärnten stattfand. Auf einen Autoanhänger montiert, siehe das Foto,
    erntete er das rege Interesse vieler Teilnehmer. Gar mancher unterzog sich hier einer
    nächtlichen, natürlich schmerzlosen Behandlung, nach dem Motto: " ... er hat überhaupt
    nicht gebohrt!" Nächtlicherseits waren diesmal nahezu 400 Sternfreunde auf den Beinen,
    und hangelten sich von Rohr zu Rohr, der Autor hauptsächlich, um die optische Qualität
    so mancher Dobsons in Augenschein zu nehmen:  Dabei wurde er bei einem Sternfreund
    regelrecht neidisch, als er das
    Ringsystem des Saturn  

    bei 400-facher Vergrößerung in einer Klarheit beobachten konnte, das den bekannten Auf-
    nahmen vom HST und anderen Großteleskopen in nichts nachstand. Durch die Cassini-Tei-
    lung konnte man klar auf den Planetenkörper hindurchsehen, ein überwältigender Anblick.

       
      Seit drei Jahren verfolge ich mit wachsendem Interesse die Vielfalt  dieser Teleskop-
      treffen auf der Emberger Alm, die von dem gebürtigen Kärntner "Naturbursch"
      Wolfgang Ransburg und seiner Mannschaft aus München mit großem Erfolg orga-
      nisiert werden.  Das mit fast 400 Sternfreunden und ihren mitunter technisch hoch-
      interessanten Geräten bevölkerte Areal von einem Quadratkilometer, stellte diesmal
      einen Besucherrekord dar. Der Alpengasthof Sattleger, ein Drei-Sterne-Hotel, be-
      wältigte einen derartigen  Ansturm mit großer Bravour, weil dort neben einer
      eigenen Sternwarte 
    mit einem Meade SC 12", von Astro Com  Münchengesponsert, genügend Räumlich-
    keiten vorhanden sind, derart viele Besucher unterzubringen. Mehrere Nächte konn-
    ten die Sternfreunde diesmal bis zur Morgendämmerung Streifzüge am Himmer unter-
    nehmen bis am Samstag eine Wetterfront die Leidenschaft etwas stoppte. Ein Glück!
    Denn jetzt hatte der Autor bei Schmuddelwetter endlich Gelegenheit, so manche nächt-
    liche Begegnung zu vertiefen, vor allem mit einem kleinen Interferometer die Quali-
    tät einzelner Teleskope in Autokollimation gegen einen Flat zu untersuchen. Diese Tests
    macht man am besten sehr einfühlsam und sorgfältig. Zum einen ist Meßergebnissen in
    diesem Genauigkeitsbereich grundsätzlich zu mißtrauen, weil es zu viele Störquellen gibt,
    die das Ergebnis erheblich beeinflussen können. Zum anderen haben die meisten Stern-
    freunde großen Spaß an der visuellen und fotografischen Beobachtung, und sind vorbei-
    ziehenden Ronchi-Gitter-Experten nicht besonders aufgeschlossen.
     


    Dieses Teleskop-Treffen zeigte besonders viele Selbstbaugeräte, wie beispielsweise den Dobson, den
    der Verfasser mit dem ITT-Organisator Wolfgang Ransburg gerade in Augenschein nimmt und akrie-
    bisch fotografiert, weil er sich demnächst ebenfalls ein solches Gerät herstellen will. Einen besonderen
    Einfluß auf diese Beweguing hatte der Konditor-Meister Hans Rohr mit seinem Buch: "Das Fernrohr
    für Jedermann", das Generationen von Spiegelschleifern hervorgebracht hat. Auch der Autor hat nicht
    nur der Namensverwandtschaft wegen so manche Optik selbst hergestellt. Man gerät auf diesem ITT
    unversehens an Sternfreunde mit enormen Fachwissen auf sehr unterschiedlichen Gebieten: An den
    Optik-Rechner ebenso wie an den Werkstattleiter einer großen Schweizer Optik-Firma, an eine größere
    Zahl von namhaften Astro-Händlern, die auch auf der homepage zu finden sind, an die "alten Hasen",
    die sich nicht zu schade sind, auch auf nicht so selbstbewußt vorgetragene Fragen der Anfänger eine
    ruhige und geduldige Antwort zu geben.

    Ein Kurz-Urlaub

    war dieses Teleskop-Treffen auch für den Sternfreund Michael Deyerler, der sich gerade mit einem
    Frühstück von den nächtlichen "Strapazen" erholt und in der Folge mit dem Autor einen fruchtbaren
    Dialog über die Feinheiten des Caustic-Testes geführt hat.  Das ITT entwickelt eine Eigendynamik,
     

    und war für mich immer so etwas wie eine Kontakt- und Ideen-Börse. Die daraus ent-
    standenen Kontakte mündeten meistens in irgend ein neues Projekt, sodaß es mir nie
    langweilig wurde. Es gibt also wieder ein

    ITT 99 vom 20. - 12. September 99, das Wolfgang Ransburg,
    Wasserburger Landstr. 18A, D - 81 825  München
    mit der Tel/Fax: 089 / 42 55 31   organisiert.
     

    e-mail: Wolfgang.Rohr@t-online.de               Zurück zur homepage

    Feriensternwarte Emberger Alm