| Hubble läßt grüßen !
Vorwort: Eine eindeutige Festlegung einer 100%
Parabel ist am sichersten in Autokollimation
gegen einen Planspiegel möglich. So jedenfalls
macht es ZEISS und viele andere namhafte
Hersteller. Das aus einer solchen Test-Anordnung
gewonnene Interferogramm sollte dann
die Grundlage für die PV wave, RMS wave
und Strehl-Berechnung sein. Die doppelte Genauig-
keit spricht ebenfalls für dieses Verfahren.
Natürlich kann man bei einiger Sorgfalt -
Kurt Schreckling hat dies gezeigt - auch nach dem
Dall-Null-Test in Kompensations auf 100% Parabel
prüfen, ja sogar ein Interferogramm
erzeugen, aber nur, wenn man den genauen Ort
kennt, wo die Kompensations-Linse stehen
muß. Wenn man diese Bedingung nicht beachtet,
wird die Messung falsch und der gemessene
Strehl-Wert hinfällig. Hubble läßt
grüßen !
Aus aktuellem Anlaß möchte ich zwei
der unterschiedlichen Testverfahren beschreiben, wie
sie bei der Herstellung und Prüfung von
Newton-Parabol-Spiegel möglich sind:
A: Die Messung in Autokollimation gegen einen
hochgenauen Planspiegel bei doppelter
Genauigkeit, siehe jeweils die Schaubilder
B: Die Messung in Kompensation durch eine hochgenaue
plankonvex-Einzel-Linse mit einfacher
Genauigkeit.
In beiden Fällen lassen sich Interferogramme
erzeugen, den Ronchi-Test, der Sterntest, der
Foucault-Test der PhasenKontrast-Test, Spalt-Test
etc. durchführen mit einem entscheidenden
Unterschied: Während bei der Autokollimations-Messung
der Planspiegel für die Parabel der
absolute Null-Punkt darstellt, und so die Parabel
absolut auf Null gemessen werden kann,
kann man mit der Kompensation "fließend"
messen, also sowohl unterkorrigierte Newtons,
100% Newtons, überkorrigierte und alle Rotations-Hyperboloide,
wie sie bei RC-Systemen
erforderlich sind. Damit hat man zwei unterschiedliche
Meßverfahren mit unterschiedlicher
Genauigkeit und unterschiedlicher Aussagekraft,
und man muß natürlich wissen, nach welchem
Verfahren der Strehl-Wert eines Spiegels ermittelt
worden ist, um seine Genauigkeit ein-
schätzen zu können.
Nun haben offensichtlich nicht alle Spiegelschleifer
den dafür notwendigen Planspiegel für die
Prüfung ihrer Newton-Spiegel, und behelfen
sich u.a. mit der Kompensations-Methode. Die
wäre, wenn man die Sorgfalt von Kurt Schreckling
zugrunde legen würde, eigentlich aus-
reichend, um eine 100% Parabel zu erzielen. Unter
anderem auch deswegen, weil man ja
einen Spiegel auch sehr genau am Himmel prüfen
kann, wie es beispielsweise Stathis
Kafalis vormacht. Offensichtlich gibt es aber
in Europa noch nicht einen einheitlichen
Konsenz, weshalb diese Diskussion durchaus nützlich
sein kann. Das nachfolgende Beispiel
soll den Sachverhalt etwas deutlicher durch Test-Bilder
beleuchten.
01 100% Parabel in Autokollimation messen im Doppel-Paß
01 Hierfür ist ein absolut genauer Planspiegel
nötig. Am besten aus der Werkstatt der Firma
Zeiss, wie in meinem Fall, mit einem eindeutigen
Certifikat und dem Zeiss-Stempel auf der
Rückseite. Der PV-Wert der Wellenfront muß
unter L/10 liegen, weil über diesen Planspiegel
keine gravierenden Fehler eingeführt werden
dürfen. Wie man diesem Schaubild entnehmen
kann, sitzt die Lichtquelle, ein 12 mü heller
künstlicher Stern, hinter dem Planspiegel. Das
"Stern"-Licht fällt durchs Loch des Planspiegels
auf den Prüfling, also genau umgekehrt wie
normal, wird zum Planspiegel geschickt, in sich
reflektiert, und gelangt ein 2.tes Mal auf den
Prüfling, der das Lichtbündel wieder
fokussiert, ein bißchen neben der usprünglichen
Lichtquelle. Das geht auch mit einem Lichtspalt,
und man hat erheblich mehr Licht z.B. für
den PhasenKontrast-Test.
02 Ein unterkorrigierter Spiegel im PhasenKontrast-Test
02 Neben der Flächenstruktur läßt
dieser Foucault-ähnliche Test die tiefste Stelle bei ca. 80%
erkennen. Von dort steigt zur Mitte hin ein flacher
Kegel an, und auch der Rand wölbt sich
leicht nach oben. Diese Topografie findet ihre
Entsprechung beim Interferogramm, das bei
unterkorrigierten autokollimations-gemessenen
Spiegeln ein flaches "W" zeigt und damit die
Unterkorrektur offenbart. Warum das so ist, kann
man bei Bild 06 studieren.
03 Ronchi-Gramm intrafokal 13 lp/mm in Autokollimation
03 Intrafokal zeigt die kissenförmige Verzeichnung
der Ronchi-Linien bei der Autokollimations-
Anordnung sehr schnelle die Unterkorrektur an,
in diesem Falle erheblich. Ein weiteres Indiz
für den Sachverhalt.
04 Das flache "W" läßt Unterkorrektur
erkennen
04 Ich habe eine Zeitlang gebraucht, um bei gleicher
Interferometer-Einstellung aus den
Interferenz-Streifen die Korrektur ablesen zu
können. Man begreift es besser wenn man
zunächst von der Sphäre ausgeht. Ein
perfekter Kugelspiegel hat völlig gerade Streifen
mit genau gleichen Abständen. Von dieser
Situation muß man ausgehen. Sie wird im
übernächsten Bild genauer beschrieben.
Bei diesem Bild es es wichtig, daß das "W" möglichst
symmetrisch erscheint, da sonst im Testaufbau
noch eine Koma erkennbar wäre, aber
auch ein möglicher Astigmatismus. Beides
kann nicht immer sauber voneinander getrennt
werden.
05 Vorsichtige Auswertung der 3 mittleren Interferenz-Streifen.
05 Um eine Koma zu unterdrücken, die sich
senkrecht zu den Interfrerenz-Streifen mit
größer werdenden Streifenabständen
bemerkbar machen würde, werte ich in kritischen
Fällen nur die mittleren Streifen auf, um
mich nicht dem Vorwurf auszusetzen, ich hätte den
Spiegel schlechter bewertet, als er tatsächlich
ist, weil in meiner Messung noch Rest-Koma
stecken würde, die man mangelnder Justage
des Testaufbaues zuordnen muß. Damit
werte ich nach einem ähnlichen Verfahren
aus, wie das beim Foucault-Test oft gemacht
wird. Wobei ich immer noch eine Fläche messe,
während Foucault oder Caustik nur auf
einer Linie durch die opt. Achse mißt,
und behauptet, der Spiegel sei rotations-symmetrisch.
Möglicher Astigmatismus wird bei dieser
Interpretation negiert. Trotzdem läßt sich eines
sicher behaupten, daß die Unterkorrektur
bei ca. L/2 wave liegt und der RMS-Wert bzw.
auf Strehl umgerechnete Wert bei 0.64 Strehl
liegt nach der Näherungs-Formel:
Strehl = 1 - (2*Pi*RMS)^2 für kleine RMS-Werte.
06 Die Parabel aus dem Krümmungsmittelpunkt,
(überkorrigiert von der Sphäre aus gesehen!)
06 Bei diesem Interferenz-Streifenbild sieht man
"M"-förmig "verbogene" Streifen. Weil dieses
I_Gramm aus dem Krümmungsmittelpunkt gemacht
wurde, ist gegenüber der Kugel mit
ihren geraden und parallelen Streifen dieser
Spiegel hemmungslos überkorrigiert, wie jeder
weiß, der schon einmal einen Kugelspiegel
parabolisiert hat: Man legt die Mitte tiefer. Weil
jedoch das Interferogramm fokussiert werden kann,
legt man die Streifen so, daß nicht nur
die Vertiefung zu sehen ist, sondern fokussiert
auf die 0.707 Zone und hat so Rand-Mitte-Rand
auf einer Linie durch die Mitte und das Kurvenmaximum
bei 0,707 vom Durchmesser.
Auch damit könnte man eine Parabel auf Null
prüfen, mit dem großen Vorteil, keine Hilfs-
Optik zu benötigen, leider auch nur bei
einfacher Genauigkeit. Ich fand jedoch bisher keinen
Programmierer, der mir dieses mathematische Problem
umgesetzt hätte. Zurück zu Bild 4
läßt sich also über diesen Umweg
zeigen, daß das I_Gramm von Bild 4 zu einem unterkorri-
gierten Spiegel gehört.
07 Der gleiche Spiegel aus der Sicht einer Kompensations-Messung.
07 Zunächst zeigt das Schaubild das Prinzip
einer Kompensations-Messung. Man prüft ein
wenig in der Nähe des Krümmungs-Mittelpunktes
der Parabel. Und weil die Plankonvex_linse
in den Testaufbau eine der Parabel gegenläufige
sphärische Aberration einführt, gibt es einen
bestimmten Abstand, bei dem sich dieser Fehler
von Linse und Newton-Spiegel gegenseitig
kompensiert. Und wenn ein Spiegel keine weiteren
Fehler hat, dann erscheint er in dieser
Meßanordnung perfekt. Dann ist ein unterkorrigierter
Spiegel ebenso perfekt, wie ein über-
korrigierter, wie eine 100% Parabel, wie ein
x-beliebiger Hyperbol-Spiegel. Dieses Meßverfahren
erkennt man daran, daß die Mitten-Abschattung
durch das Planspiegel-Loch fehlt
08 Die Unterkorrektur ist verschwunden
08 Mit einiger Sorgfalt lassen sich nun alle Ungereimtheiten
"weg-kompensieren" und man
bekommt ordentliche Interferogramme. Wobei
ich bei diesen Messungen 650 nm Laserdioden
verwendet habe und nicht im Traum daran
dachte, daß das ein Diskussions-Gegenstand
werden könnte. Da hätte ich mich etwas
mehr um die Bildqualität bemüht.
09 Weniger Streifen ergibt höhere Auswert-Genauigkeit
09 Interferogramme mit vielen Streifen täuschen
das Auge.
Es ist bereits ein Qualitäts-Merkmal, wenn
ein Interferogramm wenig Streifen
überhaupt zuläßt: Die Auswert-Genauigkeitnimmt
zu. Schon deswegen wichtig, um dem
Spiegelhersteller kein Unrecht zu tun. AlsKunde
vergißt man oft, wieviel Schweiß und Gribs hinter
einem Parabol-Spiegel stecken.Es sollt also auch
die Leistung, die hinter einem Spiegel
stecken, richtig gewürdigt werden,besonders,
wenn die Preise sehr kundenfreundlich sind.
10 Der "Lohn" des Kompensations-Verfahrens
10 Mit diesen Meßwerten ist zumindest die
Psyche des Sternfreundes zufriedengestellt, obwohl
der Spiegel immer noch unterkorrigiert ist. Da
setzt nun die Diskussion an, bei welchem Glas-
Substrat welche Unterkorrektur sinnvoll
ist. Selbst Pyrex verträgt noch eine zarte Unterkorrektur.
Bei Temperatur-Differenzen von nur 3-4 Grad Celsius
zwischen Spiegelfläche und Spiegel-
Rückseite ändert sich bereits meßbar
der Strehl, wie im Testbericht Nr. 20 gezeigt werden
konnte. Die Frage der Unterkorrektur ist also
substrat-abhängig und kann gar nicht so
einfach beantwortet werden. Spätestens jedoch,
wenn man Zerodur-, Sital- oder Low
Expansion Material als Spiegelträger benutzt,
dann sollte
die Parabel möglichst bei 100% liegen und
einen darauf bezogenen Strehl.
Fazit: Eine eindeutige Festlegung einer 100% Parabel
ist am sichersten in Autokollimation
gegen einen Planspiegel möglich. So jedenfalls
macht es ZEISS und viele andere namhafte
Hersteller. Das aus einer solchen Test-Anordnung
gewonnene Interferogramm sollte dann
die Grundlage für die PV wave, RMS wave
und Strehl-Berechnung sein. Die doppelte Genauig-
keit spricht ebenfalls für dieses Verfahren.
Wolfgang Rohr
und so sieht das Ergebnis einer
wassergeprüften Planplatte aus.
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