Der Lyot-Test

Siehe auch:

http://www.optics.arizona.edu/jcwyant/Short_Courses/SIRA/4-MeasurementOfSurfaceQuality.pdf
http://astrosurf.com/tests/articles/defauts/defauts.htm
http://rohr.aiax.de/lyotpraxis.htm
http://www.astro-foren.de/showthread.php?p=34376#post34376
http://www.astro-foren.de/showthread.php?p=34596#post34596

Der Lyot- oder Phasenkontrast-Test zeigt in erster Linie die Feinstruktur einer polierten Fläche, während der Foucault-Test deren Topografie darstellt. Beim Lyot-Test geht es im wesentlichen um die Rauhheit einer Fläche und das bildaufhellende und kontrastmindernde Streulicht, das über diese Rauhheit verursacht wird. Davon muß "Streulicht" unterschieden werden, das durch Zonen, Korrekturfehlern und abfallenden Kanten entsteht und zu Unschärfen im Fokus führt. Gemeint ist Streulicht, das über eine allgemein rauhe Politur den Bildhintergrund aufhellt. Zur Untersuchung dieses Effektes verwendet man in der Industrie das Nomarski-Mikroskop. Der Effekt dieser Meßtechnik entsteht dadurch, dass im Fokus einer Autokollimations-Anordnung das direkte Licht eines Lichtspaltes mit dem indirekten Streulicht "verglichen" wird, es an der Kante einer teildurchlässigen Filter-Linie zu diesem kontrast-verstärkendem Effekt kommt. Der Lyot-Test kann selbst einzelne Polierstriche nachweisen bzw. die Art der Parabel-Retouche, er kann bestimmte Herstellungstechniken bei Schmidtplatten sichtbar machen und erlaubt eine gute Begründung, warum manche "hoch"-strehligen Fernrohre in der Bildqualität zurückfallen. Weil über den RMS-Wert der Strehl ermittelt wird, und damit über die Topografie der Fläche, hat der Strehlwert mit der Feinstruktur derselben Fläche nichts zu tun, die mit dem Lyot-Test in einem mittleren Bereich, mit dem Nomarski-Mikroskop im Submillimeter-Bereich gemessen werden kann.

Weitere Informationen dazu in:

Im Frühjahr 2000 wurde der Autor über eine französische Website auf ein Messverfahren aufmerksam, das eine interessante Alternative darstellt, zur Flächen-Qualität von optischen Systemen fundiertere Aussagen machen zu können.

Bekannte franz. Spiegelschleifer nutzen dieses Phasenkontrast-Verfahren dazu (siehe Texereau), zur Glätte bzw. Micro-Struktur von Newton-Spiegeln qualitative Aussagen zu machen, aber auch noch den Bereich zu nennen, in dem diese Rauhheit eine Rolle spielt. Die Website enthält das Beispiel eines 460 mm Newton-Spiegels, der nachgearbeitet worden war und hernach eine weitaus bessere Flächenqualität zeigte.

Der Lyot-Test zeigt:

Der Lyot-Test gibt also eine umfangreiche Information über Herstellung und Zustand einer Optik. Eine Quantifizierung ist nach meiner Auffassung noch nicht überzeugend darstellbar.

Wir benutzen dreierlei Phasenkontrast-Filterlinien:

Unter http://www.astrosurf.com/tests/contrast/contrast.htm#haut wird auch das Prinzip erklärt, das ich in Kurzform von der Strahlen-Optik her erklären möchte. Das Bild der französischen Website bitte zugleich betrachten:

Im Krümmungsmittelpunkt einer Sphäre steht ein Lichtspalt als Lichtquelle, welche nach der Reflexion im Krümmungsmittelpunkt wieder als Lichtspalt abgebildet wird. Wäre die Sphäre perfekt glatt, würde das Licht zu 100% wieder im Krümmungsmittelpunkt ankommen, was aber selten der Fall ist. Stattdessen verschwindet ein Teil der Energie, weil eine mehr oder weniger rauhe Oberfläche Streulicht erzeugt, das nicht im Krümmungsmittelpunkt abgebildet wird. Bei diesem Test wird nun das direkte Licht mit dem Streulicht dadurch verglichen, daß die Abbildung des Lichtspaltes über einen Linienfilter soweit gedämpft wird, daß ein Vergleich mit dem Streulicht möglich wird.

Foucault zeigt nicht alles:

fouphas01

Ein hochwertiger 15-Zoll Newton-Spiegel aus USA zeigt im Foucault-Test eine fast störungsfreie Fläche. Keine Zonen, topfeben, die leichten Schatten sind Reste der Dejustage vom Messaufbau. Die Rauhigkeit des Newton-Spiegels sieht man im Foucault-Test noch nicht.

Der Lyot-Test zeigt feinere Strukturen am gleichen Spiegel:

fouphas02

Trotzdem hat dieser Spiegel noch eine Struktur. Diese Rauhheitsstruktur sieht man, wenn man das Licht des Lichtspaltes, wie er weiter unten gezeigt wird, durch die Optik schickt und auf den ca. 0.1 mm dicken Strich des Filmnegativs projiziert, der eine Dichte von ca. 2.0 hat.

Die Dichte erhöhen:

fouphas03

Wenn man die Dichte der dünnen Linie erhöht, nimmt auch der Kontrast zu, und man sieht die Flächen-Struktur noch deutlicher. Es ist also ein Spiel mit dem Licht, der Spaltbreite und der Linien-Dichte und ein bisschen auch mit der unscharfen Kante dieser Linie.

fouphas04

Auch dieser Spiegel schaut unter dem Foucault-Test hervorragend aus. Dass er einen Astigmatismus-Fehler hat, wird in diesem Test noch nicht so deutlich.

Retouche unter PhasenKontrast deutlich sichtbar:

fouphas05

Viel exakter, als es der Foucault-Test zeigen könnte, sieht man nun eine recht glatte Grundstruktur der Fläche, also glatter eigentlich, als beim vorherigen Spiegel, aber weitaus deutlicher die Zone, die Retouche der Zone und die Tatsache, daß sie in Dreiecken über den Spiegeldurchmesser ausgeführt wurde, bzw. in tangentialen Strichen.

Der Wert der Phasenkontrast-Messung

fouphas08

wird bei diesem Beispiel deutlich. Sehr viel exakter läßt sich über diese Meßmethode sowohl die Topografie der Fläche, wie auch deren Feinstruktur sichtbar machen. Von der Feinstruktur nicht einmal so schlecht, von den Zonen her verheerend!

Am Stern schaut das Bild intrafokal dann so aus:

fouphas09

Zieht man also eine Zwischen-Bilanz, dann lässt sich neben den üblichen quantitativen Werten wie PV und RMS der Wellenfront und dem Strehl zwar eine genaue Aussage hinsichtlich der Topografie bzw. des Öffnungsfehlers machen, (auch beim ZYGO nicht anders), hinsichtlich der Flächenglattheit jedoch, die für hohen Kontrast zuständig ist, muss die Interferometrie passen, da ist selbst der Ronchi-Gitter-Test genauer, wenn man ihn richtig lesen kann.

Speichen auf der Schmidt-Platte ?

fouphas10

Dieser Test ist nicht nur bei Newton-Spiegeln in Autokollimation möglich, sondern auch bei optischen Systemen, wie beispielsweise bei einem Schmidt-Cassegrain-System. Hier ist es vor allem die Herstellung der Schmidt-Platte selbst oder die Retouche des Sekundärspiegels, über die sehr viele Rauhheitsfehler eingeführt werden:

Diese Strukturen erkennt man nur zum Teil beim Foucault- und Ronchi-Test, am besten aber beim Lyot-Test selbst.

Das Phasenkontrast-Bild:

fouphas11

Als Auflösung des Rätsels könnte man die Verstärker-Rippen dafür verantwortlich machen.

fouphas10A

Vermutlich sind es aber trotzdem die Ansaug-Schlitze, die bei der patentierten Herstellung von Schmidtplatten eine Rolle spielen.

Das Interferometer zeigt dieses Bild:

fouphas12

Wie hoch diese Speichen als "Stege" sein müssen, zeigt der Interferometer bei der Astigmatismus-Prüfung. Die Speichen sind als "Spitzen" eindeutig zu erkennen, und liegen sicherlich unweit von L/10 PV wave. Also bereits erheblich über der üblichen Rauhheit bis zu 30 nm.

Perfekt in jeder Hinsicht ein Maksutov System:

fouphas13

Perfekt in jeder Hinsicht mit einem Strehl von 0.99 erwies sich ein Newton-Maksutov. Da gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Foucault...

und dem Phasenkontrast

fouphas14

Hier haben beide Tests ihre Grenzen.

Wozu der Ronchi-Test auch gut ist:

fouphas16

Interessanterweise lässt sich die Flächenrauhheit auch über Ronchi-Gramme darstellen, wenn die hellen Ronchi-Linien saubere, störungsfreie Kanten haben und im dunklen Streifen zwischen den mittigen Beugungslinien möglichst keine Störungen sind.

Beispiel-Spiegel aus Russland:

fouphas23

Eine bekannte Frauenhofer Marke:

fouphas24

Ein SC-System mit einer Schmittplatte aus Floatglas?

fouphas25

Merkwürdig die linearen Strukturen über die ganze Fläche, als ob man bei der Schmittplatte Float-Glas verwendet hätte und nur eine Seite davon bearbeitet hätte.

Fazit:

Mit diesem Bericht ist die "Höhe" der Mikrostruktur bzw. eine Quantifizierung der Flächenrauhheit in keiner Weise beantwortet. Die Strehl-Lösung führt nicht zum Ziel. Auch wird deutlich, dass die Interferometer-Messung herkömmlicher Art ihre Grenze hat.

Noch ein paar Literatur-Angaben in Englisch bzw. Französisch:

"Diffraction Theory of the Knife-Edge Test and Its Improved Form, the Phase-Contrast Method"- Zernicke, F., Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, Vol. 94 No. 5, March 1934, pp. 377-384.

This article announced Prof. Dr. Frits Zernicke's discovery of the phase contrast principle, for which he eventually received the Nobel Prize.

"On the Phase-Contrast Test of F. Zernicke" Burch, C.R., Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, Vol. 94 No. 5, March 1934, pp. 384-399.

This article presents the first phase contrast photo that was ever published of an astronomical telescope mirror. From these and other articles published in the 1930s, we can see that the phase contrast test method has been known and used for 70 years.

"Procedes Permettant d'Etudier les Irregularities d'une Surface Optique Bien Polie" (A Method Permitting the Study of the Irregularities of a Well-Polished Optical Surface) - Lyot, B., Meeting of April 1, 1946, Comptes Rendus d L'Academic des Sciences, Paris. Vol. 222, pp. 765-768.

This is Lyot's first publication concerning phase contrast. He is very careful to acknowledge Zernicke's prior work in the 1930's concerning this method.

"Les Principaux Defauts Reels des Surfaces Optiques Engendrees par Differentes Techniques de Polissage" (The Principle Defects of Optical Surfaces Produced by Different Methods of Polishing) - Texereau, J., Bulletin "Ciel et Terre," Societe Belge d'Astronomie (Bruxelles), LXVIe Annee, No. 3-4, March-April 1950.

This article presents Texereau's version of a quantitative phase contrast test with a photometric wedge as performed half a century ago. This article can be downloaded from the Astrosurf website. Texereau's work has been a valuable source of ideas. However, I believe that his original methods will require modification and updating for use by today's opticians.

"Le Contraste de Phase en Optique et en Microscopie" (Phase Contrast in Optics and Microscopy) - Francon, M. (Editions de la Revue d'Optique Theorique et Instrumental, 165 Rue de Sevres, Paris, 1950).

I must caution the reader that parts of this book are highly mathematical. Chapter 4 is entitled "Application du Contraste de Phase a l'Etude des Defauts de Poli et d'Homogeneite" Application of Phase Contrast to the Study of Defects in Polish and Homogeneity (of Glass). In this chapter , Plate 6 shows two very beautiful phase contrast images of the glass surface of an astronomical mirror.

"Contraste de Phase et Contraste par Interference, 15-21 Mai 1951" (Phase Contrast and Contrast by Interference, Conference of 15-21 May, 1951) - Francon, M., Colloques de la Commission Internationale d'Optique, Editions de la Revue Optique Theorique et Instrumentale, 165 Rue de Sevres, Paris, 1952.

This 261-page record of an international phase contrast conference contains many interesting articles in both French and English.