14.09.2003 Ein konservativer Dobson mit Hochleistungs-Optik
25. Bericht: Ein konservativer Dobson mit Hochleistungs-Optik

               Auch ein Optik-Tester braucht den entspannten Blick durch ein Teleskop, besonders 
               wenn er weiß, welcher vorzügliche Spiegel in seinem Optik-Raum sehnsüchtig auf 
               "First light" wartet. Solche Spiegel braucht er allerdings auch deswegen, damit er ein 
               Beispiel für Spitzen-Qualität hat, an denen er andere, nicht ganz so perfekte Spiegel 
               daran messen kann. Dadurch entsteht eine Sammlung hochwertiger Spiegel 
               und ein genaues Gefühl dafür, bei welchen Herstellern hochwertige Spiegel zu erwarten 
               sind. GSO-Spiegel werden ihrer Qualität wegen, von vielen Händlern gern verkauft, 
               sodaß es manchmal sogar eine Rangelei um diese Spiegel gibt. Dieser Spiegel von Birk- 
               meier ist von einem mir unbekannten Hersteller, aber die Testergebnisse sind so, daß man
               den Praxis-Test am Himmel herbeisehnt: Gestern abend war es endlich
               so weit. 

               01 Spalt-Test


 

               01 Die Abbildung meines 0.01 mm Lichtspaltes ist der praxis-nächste Test. Die beiden 
               Einkerbungen an der rechten Schneide muß man klar erkennen können, dann ist es
               bereits eine gute Optik. Wenn man hingegen gegenüber der oberen Einkerbung auch
               noch die Spitzen im 0.001 mm Bereich erkennen kann, dann hat man es mit einer
               Hochleistungs-Optik zu tun. Wobei visuell erheblich mehr zu sehen ist, wie ich im Bild
               festhalten kann - ich arbeite noch dran. Für mich also der ultimative Test, der eine Ge-
               samtschau bildet, was man später am Himmel erwarten kann.

               02 Interferogramm bei 532 nm (grün)

               02 Wegen der kürzeren Wellenlänge, zeigt ein solches Interferogramm mögliche Fehler
               noch genauer. Natürlich hängt ein einwandfreies I_gramm auch von der sorgfältigen
               Justage ab - viel schneller, als man möchte, hat man Koma-Effekte, die den Strehl
               drücken. Bereits das I_Gramm läßt eine perfekte Parabel vermuten. Bei Überkorrektur
               wären die Streifen "M"-förmige verbogen, bei Unterkorrektur "W"-förmig. Bei Null-Messungen
               geht deshalb die Über-/Unterkorrektur als Fehler ein, was im Fall der Unterkorrektur bei
               bestimmten Gläsern strittig ist, bei Zerodur bzw. Zerodur-ähnlichen Gläsern sollte die
               Parabel schon perfekt sein.

               03 Die Auswertung

               03 Die quantitative Aussage ist lediglich ein Aspekt, beim Testen von Optiken. Zwar durch-
               aus wesentlich, beantwortet sie leider nicht alle Fragen, insbesondere die nach dem Kon-
               trast einer Optik nur unzureichend.

               04 Foucault-Test

               04 Die Lichtqelle ist mein 0.01 mm breiter Lichtspalt wegen der Helligkeit. Die Messer-
               schneide muß mit der Lupe absolut parallel zum Spalt ausgerichtet werden. Damit sind
               dann Messungen weit über den L/10 wave-Bereich möglich. Man sieht also im Rand-
               Bereich eine ganz zarte "Rinne, im Übrigen eine sehr gleichmäßige und homogene
               Fläche, ganz ohne weiteren Zonen.

               05 Parabel-Test mit Ronchi 10 lp/mm intrafokal

               05 Der exakteste Parabel-Test ist immer noch der Ronchi-Gitter-Test. Bei einer Gitter-
               Konstanten von 13 lp/mm stehen die Streifen, und vor allem die Beugungs-Linien da-
               zwischen, ohne jede Störung, und nahezu parallel, mit Ausnahme der schon erwähnten
               Randzone. Dieser Test liefert auch die Orientierung ab, wie eine Zone zu deuten sei,
               was je nach Messer-Schneiden-Position verschieden sein kann. In meinem Fall schneidet
               die Klinge immer von links kommend in den LichtKegel. Dann stimmt der Flächeneindruck.
               Auch das Ronchi-Gramm stelle ich grundsätzlich intrafokal ein, das erleichtert die 
               Deutung der Fläche ganz erheblich.

               06 Der PhasenKontrast Rauhheits-Test

               06 Die Politur der Fläche, besonders wenn keine weiteren Zonen das Vergnügen stören,
               ist besonders glatt und gleichmäßig. Es geht auch sehr viel unruhiger, wenn man die
               ersten Berichte noch einmal aufruft und studiert. Ich habe es also hier mit einem Traum-
               Spiegel zu tun, dessen Abbildung mich natürlich brennend interessiert.

               Mein Test-Objekt Saturn, steht am Abend zu Beginn der Dämmerung bereits ziemlich
               tief. Gestern war ein Baum dazwischen, aber das läßt sich ändern, heute. Jedenfalls
               stand der Dobson am Spätnachmittag bereits in der frischen Luft, und mindestens
               eine Stunde vorher lief der Lüfter, der die Luft absaugt, um das Seeing im Tubus so
               wenig wie möglich zu stören. Also ran an den Jupiter:

               Bei 400-facher Vergrößerung konnte man zu Beginn der
               Dämmerung, wo die Luft noch am ruhigsten ist, die Struktur der Wolkenbänder und
               den bekannten GRF-Wirbel eindeutig erkennen, auch der Schatten eines Mondes
               auf dem Jupiter selbst, eignete sich vorzüglich zu fokussieren. Damit war die Qualität
               der Abbildung schnell geklärt. Weil gemeiner-weise eine halbe Stunde später ein 
               leichter Nebel das Vergnügen störte, deckte ich den Newton erst einmal ab, und probierte
               es gegen 2:00 Uhr wieder. Die Epsilon-Sterne in der Leier waren klar und eindeutig zu
               trennen, wobei das kein Qualitäts-Kriterium ist, das macht eigentlich jede gute Optik.
               Erstaunlich klar erschien der Ringnebel in der Leier, in dieser kontrast-reichen Form
               so noch nicht gesehen. Leider blieb mir das Zählen der drei Sterne verwehrt, manchmal
               bildete ich mir ein, davon einen erkannt zu haben - weiß man's ? Heute rücken wir der
               Sonne zu Leibe. Den Merkus-Durchgang will ich damit beobachten.

               07 Konservative Bauweise

               07 Weil ja nach Frauenhofer eine Optik zum Durchschauen ist, zählt die Funktionalität
               und erst in zweiter Linie die Schönheit, ob und wie ich mir Farbe der Montierung nebst
               Tubus zu Leiber rücke, muß ich mir noch gaaaanz langsam überlegen. Vorschläge nehme
               ich dankend entgegen. Die Bauweise ist einfach: Der Hartpapier-Tubus von Krüger und
               Söhne in Landshut, nicht ganz billig das Teil, aber praktisch, hat oben einen Alu-Ring für
               die Spinnen-Einheit. Damit ist das Ganze verschiebbar und wirkt zusätzlich wie eine
               Eintritts-Blende, sorgt also für Dunkelheit im Tubus. Eine Scheibe aus Plexi-Glas schützt
               das System vor Regen und den anderen Teilen, die vom Himmel fallen, dummerweise.

               08 Okular-Auszug und Spinne

               08 Die Plexiglas-Platte hätte ich beim Fotografieren abnehmen sollen. Aber sie schützt
               meine Optik sehr zuverlässig.

               09 Holzbauweise aus 18-er Multi-Plex Birken-Platten

               09 Die üblichen Werkzeuge wie Schwingschleifer, elektrischer Handhobel, Nutenfräse
               und Stichsäge braucht man neben einer kleinen Drehbank, damit man bestimmte Formen
               auch wunschgemäß hinbekommt. Nachdem die Meade Dobsons so ähnlich ausschauen,
               und funktionieren, ist der Nachbau eine unkomplizierte Angelegenheit, wenn man nicht
               gerade das Rad ein weiteres Mal erfinden möchte. Die Lagerung für Azimuth bilden zwei
               Teflon-Stücke bei 07:00 Uhr und 03:00 Uhr: Sehr leichtgängig. Bei der vertikalen Achse
               fängt eine mittige Teflon-Scheibe das Hauptgewicht ab, sodaß die drei tangentialen
               Scheiben nahezu nicht druckbelastet sind und ebenfalls gut gleiten. Daran könnte man
               nun feilen, war aber gar nicht notwendig, habe ich gestern abend gemerkt. Für Handläufe
               verkauft OBI ca. 4 cm Durchmesser Halbkugeln aus Holz - ideal für die Füße, zumal die
               dann in die Schwingungs-Dämpfer-Pats passen, die man für das C11 und andere
               Dreibeine kaufen kann.

               10 Träger- / Justiereinheit

               10 Eine 16 mm Alu-Scheibe bildet die Träger/Justiereinheit. Wenn schon ein so stabiles
               Element, dann packen wir alles drauf und lösen damit noch die Justage: Die 4 Türstopper
               ermöglichen einen sicheren Stand des Tubus, bevor er eingehängt wird. An drei Stellen
               erkennt man die M 8 Justierschrauben mit Senkkopf und Innensechskant. An weiteren
               6 Bohrungen die Halterung der Spiegelzelle, die mit dieser Platte fest verbunden ist. Zwei
               davon sind verstiftet, das dritte beweglich, damit man unkompliziert den Spiegel heraus-
               nehmen kann und hernach dort wieder genau hineinbringt. Dazu passend die Lager-
               punkte die 9-Punkt-Lagerung: reicht völlig. Dann noch die 4 Befestigungs-Schrauben für
               den Lüfter, möglichst groß soll er sein, und der notwendige Kabel-Salat. Der für die
               Justage notwenige Justierweg schrumpft durch diese Bauweise auf 0.7 mm Toleranz.
               Habe ich mit der Kaliber/Schieblehre/Meßschieber nachgemessen. Auf die Art wurde das
               eine kompakte Hauptspiegel-Fassung-Justier-Einheit.

               11 Tellerfedern für kurze Justier-Wege

               11 Die im Werkzeugbau früher verwendeten Tellerfedern (Hoffentlich heute auch noch)
               lösen das Problem auf einfache Weise. Deshalb noch einmal die Detail-Aufnahme.

               12 Lagerung in Azimuth

               12 Diese Anordnung der Teflon-Pats ermöglicht eine sehr leichtgängige Nachführung.
               Gewogen habe ich die Teile nicht. Ich kann sie noch gut tragen. Sie sind eindeutig
               schwerer als die vom Kurt, der sogar seinen Hauptspiegel noch abgespeckt hat. Das
               geht, wenn man selbst schleift. Zum Vogelsberg werde ich dieses Teil wohl mitbringen,
               wahrscheinlich ist dann der Tubus taubenblau - falls keiner von Euch Einspruch erhebt.

               Durchschauen dürft Ihr jedoch alle, so es Euch nicht zu den Giganten zieht, für die man
               eine Feuerwehrleiter braucht.

               Herzliche Grüße an alle

               Wolfgang Rohr

               Ein bißchen Ergänzung:

               Der Spinnen-Ring

               Auch hier hat der Ring mehrere Funktionen gleichzeitig:
               - Blende,
               - Halterung für innen und außen gleichzeitig

               Fangspiegel-Klebung und befestigung

               wegen der Fangspiegel-Belüftung seitlich noch eine Bohrung
               und an drei Punkten mit "Plops" angeklebt.
 
 

 


 
HOME
Weitere Fragen an e-mail: Wolfgang.Rohr@t-online.de