Ein zweiter Versuch Einzelgeräte bzw. Optiken
mit ihren Test-Bildern zu veröffentlichen und
damit die Qualität von Einzelgeräten
transparenter zu machen. Dafür gibt es eine Reihe sinn-
voller Gründe:
Mit welcher im Labor gemessenen Qualität
kommt eigentlich ein optisches System aus? Mit
einfachen marktüblichen Teleskopen sind
heutige Astro-Amateure in der Lage unter Nutzung
von CCD-Cameras und deren Computer-Software Ergebnisse
zu erzielen, die den Aufnahmen
von Space Hubble den Rang ablaufen, wenn die
Berichte stimmen, die ich vor einigen Tagen
gehört habe.
Natürlich ist es für einen Neubesitzer,
aber auch Verkäufer einer Optik, reizvoll, mal eben auf
dem Board nachzuschauen, wie gut denn die Optik
sei, die er kaufen möchte, bzw. zeigen zu
können bei Verkauf, wie gut der Test ausgefallen
sei.
Daß dies auch noch Rückwirkungen auf
die Szene allgemein haben könnte, ist ein von mir
gehegter vielleicht erfüllbarer Wunsch.
Es sind jedoch weiterhin immer nur Einzel-Geräte, die
ich untersuchen soll im Auftrag von Sternfreunden.
Eine generelle Würdigung meinerseits verbietet
sich aus den unterschiedlichsten Gründen.
Es werden also weiterhin besonders herausragende
Geräte sein, oder besonders auffällige.
Eine Zuordnung der Geräte zu bestimmten Händlern bzw.
Sternfreunden verbietet sich ebenfalls.
Prüfling: Newton Hauptspiegel 318/1588 von
Discovery
Prüfaufbau: Autokollimation gegen 400 Flat
Flächengenauigkeit mindestens L/10 PV wave
Wellenlänge: 632.8 nm HeNe,
Einzeltests:
- Sterntest
- Ronchi,
- Foucault,
- PhaseContrast Teil A/B/C
- Spalt-Test
- I_Gramme: quantitativ und
- Messung der Rotations-Symmetrie
Der Test-Aufbau:
Aufbau in Autokollimation, laserjustiert, am künstlichen
Stern nachjustiert, am Interferogramm
feinjustiert. Wegen Luft-Turbulenzen anschließend
mit Styropor-Platten "eingehaust"
Die Spiegel-Lagerung
Die Spiege-Lagerung in einem Gurtband im Gleichgewicht,
um Verformung durch Lagerung zu
vermeiden. Auf diese Art kann Astigmatismus hinein
oder heraus "gelagert" werden und damit
die Fläche beeinflusst werden.
Ronchi-Test
Bereits der Ronchi-Gitter-Test am 0.01 mm künstlichen
Stern, (Quelle: Melles Griot) zeigt ein
nahezu perfektes Ronchigramm bei 10 lines per
millimeter, das entspricht wegen der doppelten
Genauigkeit in Autokollimation am Himmel 20 lines
per millimeter und damit einigermaßen
genau, um die wichtigsten Fehler erkennen zu
können. Das Ronchi-Gramm zeigt außer einer
minimalen Überkorrektur einen zonenfreien
Spiegel, als wäre er für diesen Spiegeltest eigens
hergestellt. Zonen wie Korrektur lassen sich
auf diese Art bereits eindeutig darstellen.
Flächen-Beschaffenheit: Foucault
Die Landschaft der Fläche wird über
die nachfolgenden Tests untersucht in konrast-steigender
Weise - beginnend mit dem traditionellen Foucault-Test
bzw. Messerschneide-Test. Die
Fläche macht einen sehr gleichmäßigen
homogenen Eindruck, ähnlich gleichmäßig wie am Stern-
scheibchen, wenn man ein Okular intra/extrafokal
defokussiert. Die senkrechten Linien sind
möglicherweise Beugungs-Effekte und haben
keine Aussage-Kraft. Bei 0.95% vom Durchmesser
wäre eine äußerst feine, flache
Zone erkennbar. Trotzdem hat auch dieser Spiegel noch eine
deutliche Topografie, wie man abschließend
in der Auswertung erkennt.
Flächen-Beschaffenheit: Phasen Kontrast oder
Schlieren-Messung
Die Glattheit bzw. Flächen-Feinstruktur bei
einer Dichte von ca. 2 .
Auf einem Technical Pan 2415 Film-Negativ wurde
fotografisch eine ca. 0.1 mm unscharfe Linie
mit besagter Dichte aufgebracht auf die ein Lichtspalt
abgebildet wird. Dieser Lichtspalt geht
durch den Prüfaufbau und stellt die Rauheit
der optischen Fläche dar, doppelt genau die vom
Prüfling, und einfach genau die vom Referenz-Planspiegel,
dessen Glattheit über eigene
Tests untersucht worden ist.
Bei einer höheren Dichte von ca. 3 läßt
sich der Kontrast und damit die Flächen-Feinstruktur
noch steigern. Die Schattierung bei 14.00 Uhr
ist ein Artefakt.
Eine Kontroll-Messung mit einem abgewandelten
Verfahren, bei dem ein 0.1 mm dicker
Alu-Strich mit einer Dichte von 2 auf einer Glasplatte
aufgedampft wurde, liefert nahezu
identische Werte. Je nach Rauhheits-Struktur
ist die "Film"-Version oder die Glasplattenversion
die bessere Lösung zur Untersuchung der
Rauhheit.
Das Interferogramm
Das Interferogramm bei 632.8 nm zeigt die bereits
am Ronchi-Gitter erkannte leichte Über-
korrektur im Bereich L/5 PV wave, also der gravierendste
Fehler überhaupt. Wobei wenige
Streifen den Sachverhalt nicht verschleiern,
sondern klar herausheben. Umgekehrt können
viele Interferenz-Streifen einen Sachverhalt
verschleiern und einen Spiegel besser erscheinen
lassen, als er ist. Damit ist ein Güte-Kriterium
möglich: Wenig Streifen bedeutet, einen Hoch-
leistungs-Spiegel von den quantitativen Werten
her vor sich zu haben.
Die Auswertung
Die Auswertung der Linien-Topografie als die Höhen-Linien
einer Karte liefert die passablen
Werte von L/5.5 PV wave, L/34 RMS wave und einem
Strehl von 0.97. Ein ähnlich glatter
Vergleichs-Spiegel mit nahezu gleichen optischen
Daten eines anderen Herstellers verlor jedoch
über einen signifikanten Astigmatismus von
ca. L/2 PV wave mit nur 0.72 Strehl bzw.
Definitions-Helligkeit obwohl mit 0.95 Strehl
garantiert. Selbstverständlich wurde die Spiegel in
der gleichen Wellenlänge interferometriert.
Astigmatismus-Test
Die Untersuchung auf Astigmatismus ergibt eine
geringfügige Verformung in Richtung Dreieck,
das eine Entsprechung in der 3D-Darstellung hat
und auch bereits im Ronchi-Gramm eingangs
abgelesen werden kann.Trotzdem wird sich der
künstige Besitzers an einem Spitzen-Spiegel
erfreuen können, weil selbst ein Astigmatismus
von L/3 PV innerhalb der Toleranzen liegt, wie
mir ein Fein-Optiker einmal erklärte, weil
er sich "fokussiert".
Gesamt-Würdigung:
Eine sehr glatte und homogene Fläche, nahezu
perfekt retouchierte Parabel und den
quantitativen Werten von 0.97 Strehl bzw. Definitions-Helligkeit
- wer ist der glückliche
Spiegel-Besitzer? Wird er uns einschlägige
Berichte liefern, was er mit dem optimal
justierten Gerät alles anstellt? Vielleicht
CCD-Fotografie ?
Wolfgang Rohr |