| Wie schaut ein Allerwelts-Spiegel eigentlich
aus?
Jeder möchte gerne den S U P E R - Spiegel,
die Super-Montierung, um damit von Zeit zu Zeit
dem Nachbarn zu zeigen, was er für ein schönes
Gerät sein eigen nennt. Für den Nachbarn
jedoch und dessen Verständnis für Astronomie
reicht folgender Durchschnitts-Spiegel völlig
aus,
und weil er auch noch beugungs-begrenzt ist mit
einem Strehl von über 80% oder 0.80 sollte
er auch noch schöne Bilder abliefern, solange
man die Vergrößerung nicht überzieht:
Sich also mit Durchmesser in mm = Vergrößerung
zufrieden gibt. Dann wird man vermutlich
sehr scharfe und kontrastreiche Ergebnisse bekommen.
Dies wird vielleicht der Besitzer
Martin Tenelsen berichten können, weil er
auf astronomie.de eine Anfrage startete, wie ein
PV L/3 wave zu einem Strehl von 0.86 paßt.
Dieser Frage nachzugehen ist Aufgabe des
3.Labor-Berichtes.
Das Objekt ist ein Newton 320/1500 aus plate-Glas,
also aus Plattenglas.
Die Test-Anordnung wie üblich in Autokollimation
gegen einen hochgenauen Planspiegel mit
Loch
Die qualitativen Tests mit Weißlicht
Die quantiativen Interferometer-Tests bei 632.8
nm
01. Stern-Test
Der Sternttest extrafokal mit einem 0.01 mm gelaserten
Pinhole (Melles Griot) zeigt bereits ver-
kleinert die Gesamt-Situation, wenn man nachfolgendes
Foucault-Bild mit ihm vergleicht. Der
vorhandene Zonen-Fehler ist also so deutlich,
daß man ihn mit einem Okular außerhalb vom
Fokus gut sehen kann.
02. Foucault
So könnte ein Gugelhupf von oben aussehen.
Das Profil steigt also bit ca. 40% von der Mitte
an, um dann sanft bis ca. 85% abzufallen und
zum Rand hin wieder anzusteigen. Das Profil
erkennt man beim "roten" Interferogramm, wenn
man auf eine der mittleren Streifen von oben
drauf schaut.
Am Himmel wird dieser Fehler durch Fokussieren
natürlich optimiert, die aus den Zonen kommen-
den Lichtstrahlen haben unterschiedliche Schnittweiten:
Die Randstrahlen fallen kürzer, bei ca.
85% kehrt sich das um bis bei ca. 40% noch einmal
eine Umkehrung erfolgt. Den Abstand dieser
beiden Extrem-Positionen kann man rechnen. Ist
aber nicht gravierend.
03. Ronchi 10 lp/mm
Beim Ronchi-Gramm sieht man daß die Parabel
"in etwa" stimmt. Die Mitte bis etwa 85% ist
überkorrigiert (messe diese Situation immer
intrafokal wegen der Orientierung und prüfe nur
extrafokal dagegen) Die weich verlaufende Zone
bei 85% ist deutlich als "Rinne" zu sehen und
entspricht dem Eindruck aus Foucault. Ronchi
ist also für den Nachweis der richtigen Korrektur
genauer, wie der Interferometer-Test. Quantiativ
jedoch ist des Interferogramm genauer, also
braucht man spezifische Tests für die unterschiedlichen
Aspekte bei Optiken.
04. Rauhheits-Test der Flächen-Feinstruktur
Solche Spiegel können jedoch eine "fürchterlich
rauhe" Oberfläche haben. Dieser Spiegel jedoch
ist so glatt, wie die Hochleistungs-Spiegel bekannter
Hersteller. Also sollte er wenig Streulicht
haben von der Flächen-Feinstruktur. Wie
sich die verschiedenen Zonen-Schnittweiten in der
Praxis auswirken habe ich mindestens an der Abbildung
meines Spaltes zu testen versucht:
Der Spiegel wird also aus diesem Grund Streulicht
aufweisen, das man intra/extra-fokal am
defokussierten Sternscheibchen sehen kann.
05. Interferogramm mit viel Streifen
Einen allgemeinen Flächeneindruck kann man
sich mit vielen Interferenz-Streifen machen. Die
"Zonen" verlaufen ausgesprochen w e i c h ! Und
das ist wiederum nicht schlecht für das Bild.
10. Profil der Spiegel-Oberfläche
Mit weniger Streifen kann man nun die Analyse
exakter betreiben: Nun erkennt man z.B. daß
die letzten Millimeter vom Rand abfallen. Die
Feinoptiker schleifen sowas einfach weg. Man kann
es einfach abblenden und hätte eine Streulicht-Quelle
weniger. Genau dieser Rand könnte nun
noch etwas weiter abgeblendet werden, womit das
Bild wiederum verbessert wird: Der
Streifenabstand ist L/2 der Wellenfront wie am
Himmel, und damit könnte der Fehler auf
L/4 PV wave bei L/19 RMS wave und einem Stehl
von 0.90 gebracht werden. Für Planeten-
Beobachter durchaus sinnvoll, und einfach zu
lösen durch eine Blende in der Eintritts-Pupille
des Newton-Teleskopes.
06. Interferogramm mit neun Streifen
Um die Auswertung möglichst genau hinzukriegen
sind bei diesem halbautomatischen Verfahren
wenig Streifen erforderlich, auf ähnliche
Weise versucht es der ZYGO-Interferometer ja auch.
Nur dort rechnet das Programm auch noch die abzugs-fähige
Koma heraus. In meinem Fall ver-
suche ich sie möglichst herauszujustieren
beim Meßaufbau, was mir in diesem Fall weitest-
gehend gelungen ist.
07. Kontour-Bild zur Auswertung nachgezeichnet
Das Auswert-Programm braucht ein Contour-Bild,
das man über das Streifenbild bekommt.
Damit entstehen die Höhen-Linien unserer
Spiegellandschaft als Voraussetzung für die
spätere Peak to Valley Berechnung, die spätere
Root mean squere Berechnung, und davon
abhängig in anderer Darstellung der Strehl
bzw. die Definitions-Helligkeit über die Formel:
Wenn RMS eine Dezimalbruchzahl: Strehl = 1-(2*Pi*RMS)^2
(für Strehls ab 90%)
Wenn RMS ein echter Bruch : Strehl = 1 - [(2*Pi)/RMS]^2
08. Die Auswertung
Die Auswertung liefert also eine 3D-Darstellung,
wie sie vorher schon in den unterschiedlichsten
Tests erkennbar wurde. Eine "wilde" Landschaft
im Nanometer-Bereich. Also taucht hier der
böse L/3 PV wave Wert auf, wie er tatsächlich
häufiger vorkommt, ohne daß es die meisten
Beobachter allzusehr stört. Und weil aber
dieser Fehler oft nur ein kleiner Peak vom Flächen-
Anteil sein kann - ein einzelnes Staubkorn wäre
bereits ein gewaltiger Peak - ist diese
Wert zwar schlecht, aber sein Anteil an der optischen
Fläche jedoch vergleichsweise gering.
Also muß ein Wert her, der sich auf die
Gesamtfläche bezieht, und das ist der RMS-Wert
bzw. der Strehl. Und jetzt schaut der Spiegel
quantitativ nicht mehr so schlimm aus, ja er
gewinnt sogar über seine Flächenglattheit
dazu, die man unbedingt mit einbeziehen muß.
Für die Hardliner unter den Planeten-Beobachtern
natürlich unakzeptabel, für die Astrofoto-
grafen ein Super Spiegel. Also Freunde, wo ist
die Mitte? Und dieses Problem bei der
Gesamtbewertung hat eigentlich jeder, auch die
"Gurus", die manche Optiken gerne in Bausch
und Bogen verurteilen möchten.
09. Die Rotation bzw. möglicher Astigmatismus
Der böse Astimgatismus hat schon manchen
mit 95% Strehl deklarierten Hochleistungs-Spiegel
zu Fall gebracht. Gemein zwar, aber dennoch reparabel
mit zartem Federdruck einer 1 mm
Bandfeder auf der Rückseite des Spiegels.
Das Problem hatte ich selbst einmal mit ca.
2 * Lambda Astigmatismus - eine gar nicht lustige
Sache, wenn sich der "Schleifer-Meister"
nicht zuständig fühlt. Bei diesem Spiegel
jedoch kann man nicht meckern:
Also Null Astimgatismus
Zusammenfassend: Wer nicht gerade ein Optik-Freak
ist und nur mit einem Strehl von "1.1"
zufrieden ist (den es natürlich nicht gibt),
und nur eine völlig ebene und glatte Fläche
akzeptiert, weil er den Spiegel als Referenz-Spiegel
zum Testen normaler Optiken nehmen
möchte, so wie ich, wer also ein bißchen
auf dem Teppich bleibt, hat mit diesem vorgestellten
Spiegel eine durchaus brauchbare Optik - und
darum geht es in den meisten Fällen.
Wolfgang Rohr
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